Die Welt, in der Othello seinen Platz behaupten muss, ist klein, sie ist eine kleine weiße Kiste, in der sich Ungeheuerliches abspielt, in der die Mächtigen Venedigs genauso wie die Liebenden und Intriganten ihr Dasein fristen müssen. Manchmal brechen sie daraus hervor, doch dann scheint die Welt aus den Fugen zu geraten.
Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Ermöglichung, der Vollzug oder die Verhinderung von Seitensprüngen das ganze Konfliktpotential ausmachen? Ja, in der die Triebdurchbrüche gar nichts mehr mit Gier oder Gefühl zu tun haben, sondern der Betrug alltäglich Praxis ist?
Jedes Jahr Sommertheater. Natürlich. Die kommunalen Häuser haben Spielpause, die große RuhrTriennale in relativer Ferne, da schaut man mal um die Ecke. In diesem Jahr einmal Shakespeare gegen Boulevard, oder doch Shakespeare als Boulevard?
In diesem Kunsttempel haben die Granden der Bühnenkunst ihre Duftnoten zuhauf hinterlassen. Fast alle großen Theatermacher sind durch das Bochumer Schauspielhaus gegangen, ein paar als Intendanten, die meisten als Regisseure. Hier hängt die Geschichte noch in der letzten Vorhangfalte.
Die Zukunft wird nicht einfacher. Wenn sie auch nur virtuell bleiben mag. Selbst Cyborgs haben manchmal technische Probleme, die Programmierung der Extremitäten ist überaus kompliziert. Wehe, wenn die Bewegungen nicht synchron ablaufen, dann haben die Mitarbeiter des Instituts für Kybernetik und Zukunftsforschung richtig Arbeit, oder liegt es etwa an ihnen selbst?
Besucherinnen und Besucher der neanderland BIENNALE 2013 sehen in diesem Jahr ROT – die typischen Assoziationen „Liebe“, „Blut“ und „Wein“ werden interpretiert von deutschen und polnischen Ensembles. Die Stücke des Festivals tauchen große und kleine Säle, ein leerstehendes Krankenhaus, eine Wasserburg, ein Stellarium, Plätze und Parks in warmes Licht und starke Emotionen.
So viel Unschuld vom Lande – das geht auf keine Kuhhaut. Zumal diese Unschuld mit der langen, tiefschwarzen Mähne und dem bunten Dirndlkleidchen frappierend an ein berühmtes schönes Mädchen erinnert. Bloß welches war es gleich?
Hardcore-Pornoheftchen werden gereicht, ein Gläschen Sekt zum Einstimmen. Die Schauspielerin Lisa Jopt im authentischen Straps-Outfit betont gleich „Nicht reingucken, es ist widerlich“, alle schauen natürlich doch ins fleischige Einerlei. „Nicht einstecken“, ruft sie noch, doch einige der nicht ganz billigen Hefte sind längst verschwunden.
Die neueste Jury ist immer die dümmste. Festivals, die sich auf die Fahnen schreiben, die Trüffel vom Kunstacker aufzuklauben, sehen sich einem wiederkehrenden Ritual gegenüber: Jeder selbsterklärte Kunstrichter kann aus dem Eff-Eff eine Bestenliste herunterbeten, die den amtierenden Juroren genüsslich eklatante Blindheit nachweist.
Es gibt keine Welt, die wirklich lockt, wenn das Licht dort nicht leuchtet. Theater funktioniert auch schlecht im Dunkeln. Manche Stücke funktionieren aber aus sich selbst heraus, und es gibt auch Texte, die eigentlich gar nichts brauchen. Der Tiroler (österreichische Seite) Händl Klaus schreibt solche Stücke, die manchmal nur einen abgeschnittenen Finger brauchen oder eine Schatzkarte.
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