Literatur.

In Stroboskopgewittern

Junger Junger Oberhausener schreibt sich durch die Rave-Landschaft des Reviers - Literatur-Portrait 02/11

Spaß ist auch das Hauptmotiv für die „Literarische Boygroup“, zu der sich Marcel Maas gemeinsam mit Tilman Strasser, Lino Wirag und Jan Fischer zusammengefunden hat. Unter dem Namen „Text, Drugs and Rock'n'Roll“ machten sie eine Weile die (Lese-)bühnen unsicher.

Verführende Versfüße

Sebastian23 zählt an: Fünf – die Video-Kolumne – Poetry 02/11

"Wäre der Februar ein Mensch, müsste er wohl Edwin Eugene Aldrin, jr. heißen."

Galoppierender Irrsinn

ComicKultur 01/11

Hinter dem Titel „Oh diese Mädchen!“ verbirgt sich eine so ungewöhnliche wie gewagte Dramaturgie. Emmanuel Lepage, hierzulande auch bekannt durch seinen politischen Mittelamerika-Comic „Muchacho“, bebildert in aufwändigen Aquarellzeichnungen die Story von Sophie Michel. Mit der Geburt der drei Mädchen beginnt es, mit der Geburt von deren Kindern endet es. Sie wachsen bei reichen Eltern, einer alleinerziehenden Mutter oder einer Migrantenfamilie aus Algerien auf, und doch kreuzen sich ihre Linien, und sie werden Freundinnen. Auch wenn die Story durch die Jahre hechelt und das eine oder andere Klischee streift – das Gesamtbild dreier unterschiedlicher Biografien funktioniert, und der Band vermag – nicht zuletzt wegen der schönen Zeichnungen – mit den drei Mädchen und ihrem Schicksal zu fesseln (Splitter).

Literaturwunder Ruhr

Eine Tagung über den Strukturwandel zwischen Buchdeckeln - Literatur-Portrait 01/11

Wer im Kulturhauptstadtgetöse nach Literatur Ausschau gehalten hat, musste die Augen schon sehr weit aufreißen, um fündig zu werden. Das Literaturbüro Ruhr konnte mit der engagierten Reihe „Mehr Licht!“ auftrumpfen, der bereits ohne Mithilfe der RUHR.2010 GmbH kontinuierlich gewachsene „Mord am Hellweg“ konnte seine blutrünstigen Arme bis weit ins Ruhrgebiet ausstrecken. Doch ansonsten gingen die meisten Literaturveranstalter leer aus...

Kompakte Kost gegen Pixelströme

Die Zeitungen sind morgen vielleicht schon verschwunden - textwelten 01/11

Heute lesen wir sie noch, aber morgen können sie schon verschwunden sein. Nur noch sieben Jahre wird es in den USA gedruckte Zeitungen geben. So jedenfalls sieht es der australische Zukunftsforscher Ross Dawson, wie die Akademie Berufliche Bildung der Zeitungsverleger in ihrem Newsletter berichtet. Dawson, der zu den umworbensten Beratern unserer Tage gehört, rechnet weiter: In neun Jahren hat das letzte Stündlein der Zeitungen in England geschlagen, in Deutschland wird es noch bis 2031 gedruckte Zeitungen geben – wobei man sich fragen darf, wie die dann wohl aussehen mögen –, und als letzte dürfen die Menschen in den heutigen Entwicklungsländern so um das Jahr 2050 noch ein Stück Zeitungspapier in Händen halten.

Frohes neues Ja

Sebastian23 zählt an: Vier – die Video-Kolumne – Poetry 01/11

Welcher kühne Planer ist seinerzeit nur auf den Gedanken verfallen, das neue Jahr am ersten Januar beginnen zu lassen? Ich wache in der Regel am ersten Januar mit Kopfschmerzen auf, und das ist ein schwieriger Anfang für ein Jahr, finde ich.
Dabei veranlasst uns nichts, genau mit diesem frostigen Monat unser Jahr zu beginnen. Die Welt dreht sich ja nicht von einem Tag aus, sondern um eine Sonne herum. Dabei dreht sie sich übermütig auch noch selbst um ihre eigene Achse, so dass es am Ende so aussieht, als würde sich die Sonne um die Erde drehen.

„Freiwillig aufhören ist fast unmöglich“

Literaturpreis Ruhrgebiet 2010 an Norbert Wehr und sein „Schreibheft“ - Literatur-Portrait 12/10

Welchen Bezug haben Weltautoren wie Louis-Ferdinand Céline, Malcolm Lowry, Hubert Fichte, Danilo Kiš, James Hamilton Paterson, William Gass, Richard Powers, Jorge Louis Borges, Herman Melville, Daniil Charms, Ezra Pound, Pier Paolo Pasolini, Inger Christensen und Raymond Federman zu Essen? Sie alle sind im Literaturmagazin „Schreibheft“ vertreten – mal mit Texten oder Textauszügen, mal als Gegenstand von Essays.

Aufgegeben

Bibliotheken zugrunde gespart - Textwelten 12/10

Sparschweine sind dazu da, dass man sie mit Geld mästet. Es gibt aber auch Sparschweine, denen man nichts zu futtern lässt, sondern an deren Unterhalt man noch spart. Das sind sogenannte arme Schweine. Die muss Monika Ziller, Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands, gemeint haben, als sie jetzt von den Bibliotheken als den „Sparschweinen der kommunalen Haushalte“ sprach. Seit den Neunziger Jahren wurde das Netz der öffentlichen Bibliotheken ausgedünnt, und dennoch ist ihre Nutzung seit der Jahrtausendwende um 22 Prozent gestiegen. Der soeben erschienene „Bericht zur Lage der Bibliotheken in Deutschland“ belegt, dass die rund 11.000 Bibliotheken über 200 Millionen Besucher und 466 Millionen Ausleihen im letzten Jahr vorzuweisen haben.

Ein Herz fürs Genre

ComicKultur 12/10

Riad Sattouf sagt‘s, wie‘s ist: Beschneidung ist scheiße! In „Meine Beschneidung“ erzählt der in Paris geborene, bis zu seinem zehnten Lebensjahr aber in Algerien, Libyen und Syrien aufgewachsene Comiczeichner und Regisseur, wie es einem achtjährigen Jungen damit ergeht, dass man ihm die Vorhaut abschneiden will. Mit tiefschwarzem Humor, der die Tragik aber nicht überspielt, erzählt er cartoonhaft die autobiografische Kindheitsgeschichte (Reprodukt). Daniel Clowes hat sich mit seinem Teenage-Portrait „Ghost world“ bereits in den 90er Jahren einen Ehrenplatz in der Comicgeschichte reserviert. Mit „Wilson“ wird sein Ruf zementiert, allerdings ist der Protagonist kein Teenager, sondern einer der vielen zwielichtigen Nerds mittleren Alters, die dort als Nebenfiguren auftauchen: Wilson ist ein Misanthrop vor dem Herrn, und Clowes breitet sein deprimierendes Leben mal in Karikaturen, mal realistischer, aber immer schonungslos vor dem Leser aus (Eichborn).

Tanklust unterm Tannenbaum

Sebastian 23 zählt an: Drei – die Video-Kolumne – Poetry 12/10

Der Dezember ist für mich eine angeschneite Mischung aus Mutter Theresa und Paris Hilton. Er ist Theresa Hilton, die monatgewordene Manifestation von schrillem Schein und wahrer Wohltat. Er ist ein einziges Fest und ein eisiger Frost; mehr noch, der Dezember ist Zuckerwatte und Zahnarzt in einem.
Draußen wird es kälter, was sich positiv auf meine Formulierfreude auswirkt, da ich mehr Zeit damit verbringe, kunstvoll Prädikat an Nomen zu löten. Ich war nicht mehr draußen, seit der Pool im Garten meines Herrenhauses mit einer puckdicken Eisschicht überzogen ist. Das sind 2,54 Zentimeter, habe ich gerade im Regelbuch des deutschen Eishockeyverbandes nachgeschlagen. Ansonsten besitze ich übrigens keine Bücher, sondern nur Heftchen.
In Heftchen stehen nämlich gloriosere Sätze. Nehmen wir das Monatsmagazin der Deutschen Bahn, das „mobil“. Da las ich vor kurzem in einem Artikel über Uhrmacher folgende Passage: „Die Dings und Dongs sind eine Freude für den Benutzer, aber eine Qual für jeden Uhrmacher. Die Repetition ist für ihn das, was der Mount Everest für einen Bergsteiger bedeutet: der schmerzhafte Gipfel der Gefühle.“

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