Das kreative Chaos war groß und das Desaster bereits absehbar, doch dann landeten Bert Brecht und Komponist Kurt Weill mit ihrer satirischen „Ludenoper“ im Spätsommer 1928 einen Coup, der unerwartet hohe Wellen schlug. Auch Hagen wurde seinerzeit davon erfasst und brachte die neuartige Schauspielrevue auf die Bühne seines Theaters.
Die diesjährigen Impulse, das biennal stattfindende Festival Freier Theater startet mit einer Frage: Wie besetzt man einen imaginären Raum innerhalb eines imaginären Kontexts? andcompany&Co., seit Jahren ausgewiesene Experten für lustvolles Politdiskurs-Jonglieren, besetzen gemeinsam mit flämischen und niederländischen Kollegen die Kölner Studiobühne und proben den Aufstand.
Oft hat man das Gefühl, unter die Räder zu kommen oder auf der glatten Oberfläche des Lebens auszurutschen. In Liebesdingen führt dies mitunter zu Verwirrung oder in den Abgrund. Sibylle Broll-Pape inszeniert am Bochumer Prinz-Regent Theater mit „Anna Karenina“ eine solche Gefühlsachterbahn.
In einem real existierenden Tunnel inszeniert Sybille Fabian in der Wuppertaler Oper Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. „In der Unübersichtlichkeit der modernen Welt wird Schuld verwischt und abgeschoben, der Moderne kommt nur die Groteske bei“, so der Schriftsteller 1966. Wer sich also in Wuppertal mal einen tragikomischen Abend auf Schweizer Art gönnen will, der schlittert in Fabians Inszenierung in ein vehement mimisches Spiel auf farbloser Bühne, auf der sich gar grausige Szenen abspielen.
Der Satz klingt wie ein Statement: „Einen Scheiß weißt du“. Genau. Doch „Kurze Interviews mit fiesen Männern“ sollen die Wissenslücken füllen. US-Autor David Foster Wallace hat dafür ganz große Bögen geschlagen. Dass Männer nur das eine wollen und Frauen dieses Eine auch ziemlich wissenschaftlich betreiben können, wissen wir Alteuropäer seit der Antike. A
Um die Wunschbesetzung für sein neuestes Filmprojekt zu gewinnen, erzählt der Produzent James der Schauspielerin Olivia den Plot des Drehbuches: Die Geschäftsfrau Amy, deren Freund beim Anschlag auf das World Trade Center starb, verliebt sich auf einer ihrer Flugreisen in den attraktiven Terroristen Mohammed.
Wenn anderswo langsam, aber sicher die Sommersonnen-Ruhe einkehrt, geht es in Dortmund erst richtig los: Am 27. Juni startet im Spiegelzelt das „Ruhrhochdeutsch“-Festival – und zwar an einem neuen Platz, am Steinernen Turm in der Nähe der U-Bahn-Station Westfalenhalle (da gibt es den A4- und den D2-Parkplatz).
Im Bochumer Schauspielhaus wird Franz Molnárs „Liliom“ von Christina Paulhofer inszeniert. Die Handlung des Stückes wird zwar von einem klassischen Rummelplatz auf eine moderne Kirmes verlegt, doch den zeitlosen Konflikten der Figuren tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil!
Der Abend beginnt mit Warten. Der Regisseur wartet, der Hauptdarsteller wartet, und auch der Inspizient muss warten. Ohne dass jemand ein Wort verliert, kann man in ihren Gedanken lesen: Myrtle Gordon, die Diva, kommt wieder einmal zu spät. Die Schauspielerin steht im Zentrum von John Cassavetes‘ 1977 gedrehtem Film „Opening Night“, den das Schauspielhaus Bochum jetzt auf die Bühne brachte.
Eigentlich wäre doch alles so einfach mit den Kleinen. Schon der olle Theodor Storm wusste: „Darum liebe ich die Kinder, weil sie die Welt und sich selbst noch im schönen Zauberspiegel ihrer Phantasie sehen.“ Doch irgendwie ist heute alles anders. Kinder werden zu Tode geliebt, misshandelt, für abartige Phantasien missbraucht.
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